Leitbild der Sommerakademie Feministische Rechtswissenschaft

Unsere Vision

Die Sommerakademie Feministische Rechtswissenschaft ist ein Lern- und Vernetzungsraum
für feministische Rechtswissenschaft. Wir wollen feministische Inhalte in den
Rechtswissenschaften stärken, intersektionale Perspektiven einbringen und Lücken in der
juristischen Ausbildung schließen. Als Teil der kritischen Rechtswissenschaft bezieht die
Akademie interdisziplinäre Perspektiven ein. Sie richtet sich an Studierende aller
Fachrichtungen und junge Jurist*innen, die sich kritisch mit bestehenden Strukturen
auseinandersetzen möchten und ermutigt sie, ihre Universitäten aktiv mitzugestalten. Unser
Ziel ist ein nachhaltiger Multiplikationseffekt an den Fakultäten der Teilnehmenden sowie der
Aufbau langfristiger feministischer Netzwerke.

Die Organisation liegt bei wechselnden Orga-Kollektiven, die das Programm eigenständig
gestalten. Der Verein bietet einen Orientierungsrahmen für Kontinuität und Vernetzung. Ein
zentraler Aspekt ist der Netzwerkgedanke: Die Akademie fördert überregionalen Austausch
und langfristige Verbindungen. Als überparteiliches Kollektiv stehen wir uneingeschränkt für
Demokratie und Menschenrechte ein. Diskriminierung in jeglicher Form wird klar und
entschieden zurückgewiesen.

Lernraum und Braver Space

Die Sommerakademie versteht sich als ein Raum des Lernens, der auch Personen ohne
Vorkenntnisse in feministischer Rechtswissenschaft offensteht. Sie bringt Studierende früh
mit kritischen Perspektiven in Kontakt und setzt eine grundsätzliche Identifikation mit
feministischen Werten voraus. Gleichzeitig erkennen wir an, dass sich
Grenzüberschreitungen und diskriminierendes Verhalten trotz präventiver Maßnahmen nicht
vollständig ausschließen lassen. In diesem Sinne ist die Sommerakademie ein Braver Space.
Sie soll ein Ort sein, an dem Menschen in einem geschützten Rahmen lernen und sich kritisch
mit feministischer Rechtswissenschaften auseinandersetzen können. Dies bedeutet auch,
dass Diskussionen herausfordernd sein können und unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.

Deshalb gibt es für jede Sommerakademie ein eigenes Awareness-
Konzept, das auch der Verein mitträgt. Ein respektvoller Umgang und gegenseitige Wertschätzung sind zentrale Prinzipien.

Orga-Team und kollektive Strukturen

Das Organisationsteam arbeitet als bundesweites Kollektiv und bietet Raum für gemeinsames
Lernen in kollektiven Strukturen. Der Verein stellt einen Rahmen bereit, begleitet die Teams
und steht als Ansprechstelle zur Verfügung. Jedes Organisationsteam entscheidet
eigenständig über Schwerpunkte und Strukturen. In sensiblen Bereichen ist eine Rücksprache
mit dem Vorstand erwünscht, der das Team unterstützt. Entscheidungsprozesse werden
transparent und möglichst hierarchiefrei gestaltet.

Niedrige Zugangshürden und Inklusion

Die Sommerakademie soll möglichst niedrige Zugangshürden haben und setzt sich zum Ziel,
diese weiter abzubauen. Menschen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, werden
besonders berücksichtigt. Die Teilnahme ist grundsätzlich kostenfrei. Zudem wird
Barrierefreiheit angestrebt, etwa durch barrierarme Räume, einfache Sprache, eine
Bettenbörse und gegebenenfalls gebärdensprachliche Begleitung. Auch sprachliche Vielfalt
soll, wo möglich, berücksichtigt werden, etwa durch Übersetzungen oder mehrsprachige
Materialien. Die Sommerakademie verpflichtet sich zur Verwendung gender- und
diskriminierungssensibilisierter Sprache.

Kooperationen mit Lehrstühlen und Speaker*innen

Die Sommerakademie möchte eine Vielfalt an Perspektiven abbilden und gibt besonders
marginalisierten Personen Raum. Anfragen an Speakerinnen sollen frühzeitig und
wertschätzend erfolgen. Die Zusammenarbeit mit privaten Hochschulen oder Universitäten
mit Militärbezug ist nur in Ausnahmefällen möglich und bedarf einer einstimmigen Zustimmung
des Vorstands. Die geografische Verteilung der Akademie soll möglichst ausgewogen sein,
um auch ostdeutsche Perspektiven angemessen einzubeziehen.

Wertschätzung und Fairness

Die Sommerakademie verpflichtet sich zu einem fairen und wertschätzenden Umgang.
Besonders wichtig ist eine angemessene Bezahlung aller Beteiligten, da feministische und
queere Bildungsarbeit oft unbezahlt bleibt. Speaker*innen erhalten eine gleich hohe
Aufwandsentschädigung, deren Erhöhung angestrebt wird. Neben finanzieller Wertschätzung
soll auch eine Kultur der Anerkennung geschaffen werden, in der alle Beteiligten ihre Arbeit
als gesehen und respektiert erleben.

Awareness und Sicherheit

Ein Awareness-Konzept ist essenzieller Bestandteil der Sommerakademie. Alle Mitglieder des
Orga-Teams sind grundsätzlich verpflichtet, an einer Awareness-Schulung teilzunehmen, und
es gibt ein Awareness-Team vor Ort. Awareness ist eine gemeinsame Verantwortung aller
Beteiligten. Ein Booklet mit grundlegenden Informationen zur feministischen
Rechtswissenschaft wird bereitgestellt, und Inhalte der Akademie sind mit entsprechenden
Inhaltswarnungen versehen. Die Einbindung externer Awareness-Personen wird angestrebt,
um eine unabhängige Ansprechstruktur zu gewährleisten.

Finanzierung und Sponsoring

Die Sommerakademie finanziert sich durch Mittel, die mit ihren Werten im Einklang stehen.
Werbung für Parteien ist ausgeschlossen, die Unterstützung durch einzelne Abgeordnete ist
demgegenüber im Einzelfall möglich. Parteinahe Stiftungen sind mögliche
Finanzierungsquellen. Großkanzleien als Sponsoren werden abgelehnt, während
Unterstützung durch feministisch-kritische Kanzleien im Einzelfall möglich ist.